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Kleinode

Leichenbegleitung

Leichenbegleitung


Auszug aus den "Ortsgeschichtlichen Aufzeichnungen" von Oberlehrer Friedrich Enzensperger (Großvater von Ernst Enzensperger, Heyderstr. 21)
(S. 78)
Ein sonderbarer Brauch, der jedenfalls seit frühesten Zeiten hier wie auch anderwärts bestand, war die Leichenbegleitung. Sie wurde 1798 eingestellt, 1835 wieder angeordnet und blieb in Aeschach bis zur Errichtung der Aussegnungshalle bestehen (1915). Bis zum Jahre 1831 gab es auf dem Aeschacher Friedhof überhaupt kein Leichenhaus und als die Kroellsche Kapelle in ein solches umgewandelt wurde, behielt man auf dem Land die Toten bis zum Beerdigungstag im Haus. Im Trauerhaus versammelten sich die Angehörigen mit den nächsten Verwandten. So nach und nach fanden sich die anderen Leute ein, von denen sich die nächsten Bekannten zum Kondolieren ins Trauerhaus begaben. Waren dann der Pfarrer, begleitet von den "Abholern" und dem Mesmer, sowie der Kantor mit den Sängern (Schulkinder) erschienen, so wurde der Sarg in den Leichenwagen geschoben. Nach dem Gesang eines Liedes und kurzem Gebet setzte sich der Zug in Bewegung. Die Ordnung war folgende: Schulkinder, Kantor, und Mesmer, Pfarrer mit Begleitung, der Leichenwagen, hinter demselben die Sargträger, und die Leichenbesorgerin, die Angehörigen mit den nächsten Verwandten, die übrigen Leidtragenden, erst die männlichen, dann die weiblichen. Auf dem Weg schlossen sich diejenigen an, denen der Weg ins Trauerhaus zu weit war.
Es waren oftmals große Strecken zurückzulegen, denn die Kirchengemeinde hatte eine große Ausdehnung, umfaßte Hoyren, Schönau, Schachen, Degelstein, Reutenen und die Protestanten von Hege, Wasserburg und noch ein Stück weit gegen Nonnenhorn. Kirchenrat Caselmann beteiligte sich nicht mehr an der Abholung im Trauerhaus, sondern erwartete den Trauerzug vor dem Kriegerdenkmal beim Pfarrhaus. Ein paar Minuten vorher begann das Geläute. Als im Jahr 1919 die Lehrer von der Verpflichtung zur Übernahme des Kirchendienstes befreit wurden, behielt zwar der damalige Lehrer Enzensperger freiwillig sein Amt als Organist und Kantor bei, beteiligte sich jedoch nicht mehr bei der Leichenabholung. Mit seiner Versetzung in den Ruhestand (1930) gehört der Kantor in Aeschach der Vergangenheit an.

Der Enkel Ernst Enzensperger übertrug diese Zeilen aus dem in Sütterlinschrift verfassten Tagebuch (Ortsgeschichtliche Aufzeichnungen) und übergab es Peter Borel im Dezember 2015.


Rechnung über die Beerdigungsgebühren des Herrn Joh. Giovanoli in Aeschach

Rechnung über die Beerdigungsgebühren des Herrn Joh. Giovanoli in Aeschach

Beerdigungsrechnung von Herrn Joh. Giovanoli

Grabstättenkauf Frau Katharina Hail, 1896

Dokument über den Kauf der Grabstätte von Frau Katharina Hail



Dokument über den Kauf einer Grabstätte von Frau Katharina Hail

Dokument über den Kauf einer Grabstätte von Frau Katharina Hail

Grabtafel von Jacob Hünlin und Regina Furttenbach

Grabtafel Regina Furttenbacher - Jacon Hünlin

Regina Furttenbach (†1536) war verheiratet mit Jacob Hünlin (1492 - 1557), Bürgermeister in Lindau. Sie war die Tante von Hans Furtenbach. 1536 wurde sie auf dem Alten Aeschacher Friedhof bestattet. Eine Marmortafel direkt am Eingang zum Friedhof gegenüber der Kröll-Kapelle erinnert an sie. Dort wird sie Regina Furttenbachin genannt:



JESVS CHRISTVS IST DIE AVFERSTE VNG VND DAS LEBEN EC 3.I0.XI IN SOLCHEM VESTEN GLAVBEN SIND DER EDEL ERENVEST IACOB HVENLIN AVF XII DECEMBER MDLVII SEINES (1557) ALTERS IM LXV VND DIE ERENVE (65) STE TVGENDSAM FRAV REGINA FVRTENPACHIN SEIN ERSTE HAVS FRAV AVF XVI AVGVST MDXXXVI (1536) NACHMLEN AVF VI APRIL DES MDXXXVIII (1538) PAIDER SON IACOB SEINS ALTER IM ANDREN IAR IN GOT ENTSCHLAFEN VND HIEHER ZV ERWARTEN DER FROLICHEN AVFERSTEHVNG GELEGT



Bitte beachten Sie: U wird als V geschrieben; Doppelbuchstaben werden nicht geschrieben (siehe GOT); P steht auch für B (siehe PAIDER für beider). So könnte Regina sowohl Furtenbach, als auch Furttenbach geschrieben